FIR-Jahrbuch 2019
148 / dende Baby-Boomer-Generation durch gesammeltes Wissen qualifiziert, profilieren sich die nachfolgenden Generationen mehr über das Identifizieren und Auswerten von Wissen. Es bleibt die Frage, ob wir uns mit zunehmend digitalisierter Ent- scheidungsfindung das Lernen abtrainieren. Konsens erzielte man darüber, dass auf Erfahrung basierende Lerneffekte dank Digitalisierung weniger intuitiv als vielmehr analytisch und faktenbasiert genutzt werden. Auch beim zentralen Thema von Smart Operations, der Sammlung, Aggregation und Anwendung valider Daten, ist die menschliche Arbeit die letztendlich entscheidende Kompo- nente. Smart Operations unterstützen nicht nur strategische Entscheidungen, z. B. in den Bereichen Smart Maintenance und Smart Quality. Vor allem auf dem Shopfloor müssen häufig schnelle Entscheidungen für unvorhergesehene Situationen herbeigeführt werden. Mit Manufacturing-Execution-Systemen (MES) können beispielsweise prozessrelevante Daten und Lösungen auf Basis nachvollziehbarer, faktenorientierter Kenn- zahlen bereitgestellt werden. Effizienzsteigerungen und Koste- neinsparungen durchMES sind allerdings nur dann erfolgreich, wenn die im Tagesgeschäft eingebundenen Mitarbeiter von der Konzeption über die Datenerhebung und -verdichtung bis hin zur Anwendung einbezogen und in die Verantwortung genommen werden. Darüber hinaus kann auch die Bewertung menschlicher Arbeit und die Erstellung von Vorgaben nur durch Kenntnis der tatsächlichen Prozessabläufe geschehen. Integration ist also ein erfolgskritischer Faktor, und Digitali- sierung braucht valide Daten. Welche das sind, entscheidet letztendlich der Mensch. Damit ist auch das viel beschworene „neue Öl“, als welches Daten heute gerne bezeichnet werden, immer nur so gut wie die Mitarbeiter, die diese Daten erheben, fallbezogen bewerten und anwenden. Technologien, Tools und Prozesse sind Hilfsmittel auf dem Weg zur Digitalisierung von Produktionsprozessen; umsetzen und verantworten muss sie der Mensch. „Smart Operations gelingen nur durch das Zusammenspiel von Mensch, Software und System. In Entscheidungssituationen kann nur durch die Kombination aus implizitem Wissen mit system- oder technologiebasierten Daten und Informationen die situativ bestgeeignete Lösung gefunden werden. Dabei steht insbesondere der Mensch als Träger des Erfahrungswis- sens imMittelpunkt, um die Prozesse der Zukunft unter Einsatz geeigneter Methoden wie KI, Blockchain und Process-Mining wirklich nachhaltig intelligent zu gestalten“, betonte auch FIR -Geschäftsführer Professor Volker Stich in seinem Veran- staltungsresumée. Smart Operations werden die industrielle Fertigung und die damit verbundenen Aufgaben verändern. Bei stetig neuen Trends bleiben jedoch die Anforderungen an die Hersteller gleich. Smart Operations bringen Anforderungen und Inno- vation unter einen Hut, unterstützen Entscheidungen auf Basis verschiedenster Daten und sind der Motor für Effizienz- steigerungen und Qualitätssicherung. Der Mensch besitzt in diesem Umfeld weiterhin die Souverä- nität. Er entscheidet über die Credentials und wenn man es richtig anpackt, ist der Gewinn groß. Eine wertebasierte Unter- nehmenskultur sowie die Fähigkeit, Mitarbeiter zu integrieren und zu begeistern, sind damit wesentliche Schraubstellen für echten Mehrwert durch Smart Operations. Nach erfolgreichem Verlauf der ERP-Tage 2019 steht auch der Termin für das kommende Jahr bereits fest: Vom 17. bis 18. Juni 2020 treffen sich wieder Vertreter aus Industrie, Forschung und Verbänden.
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