UdZ 2-2011
51 Unternehmen der Zukunft 2/2011 UdZ Eco2cut: Energiemanagement in der Fertigungsindustrie Ein ganzheitliches Bewertungsmodell Innerhalb der letzten Jahre gewann das Thema Energiemanagement für die produzierende Industrie zunehmend an Bedeutung. Die Effizienz und Effektivität der kleinen und mittleren Unternehmen im Energiemanagement ist schwer einzuschätzen, da kaum Transparenz bzgl. des Energieverbrauchs besteht. ImProjekt Eco2cut wird daher zunächst ein Beschreibungsmodell für das Energiemanagement entwickelt. Dieses dient ineinemzweitenSchritt alsAnalyseraster, umre- levanteKennzahlen zur Herstellungder Transparenz zu identifizieren. Zur ValidierungderModelle werden die Kennzahlen bei Unternehmen aus Deutschland, Belgien und Österreich im Rahmen des Projekts erhoben. Im Ergebnis liegt somit eine Datenbank vor, über die sich Unternehmen aus der produzierenden Industrie hinsichtlich ihres Energieeffizienzgrads vergleichen können. Motivation Die Einführung und Umsetzung eines Energie- managements gewinnt bei Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere in der Fertigungsindustrie, welche von der Verfügbarkeit und einem effizienten Umgang mit der knappen Ressource Energie abhängig ist, steigt die Sensibilität für dieses Thema auf Entscheidungsebene. Ausschlaggebend hierfür sind die folgenden drei Treiber: 1. Steigende Energiekosten Die steigende Nachfrage nach Energie bei einer gleichzeitigen Angebotsverknappung auf den Weltmärkten führt zu steigenden Energiepreisen [1]. Diese allgemeine Entwicklung sowie die Dynamik bei der Preisgestaltung über die Energiebörse, wie in Deutschland die Leipziger Strombörse, führt bei KMU zu einer Unsicherheit bei der Kalkulation der Energiekosten [2]. 2. Nachhaltigkeit Auch für die Kunden von industriellen Gütern gewinnt das Thema von nachhaltig gefertigten Produkten zunehmend an Bedeutung. Die um- weltschonende Produktion stellt für Unternehmen ein Unterscheidungskriterium gegenüber dem Wettbewerb und für Kunden ein immer wichtiger werdendes Kaufargument dar. Beispielsweise wünschen sich die Kunden Produkte, die CO2- neutral hergestellt wurden. Für derartig gefertigte Produkte hat sich in den letzten Jahren der Begriff „Grüne Produkte“ durchgesetzt [3]. 3. Regulierung In den letzten Jahren werden die Unternehmen durchRegularien veranlasst, energieeffizient zu pro- duzieren. Die strikten Regierungsbeschlüsse setzen die Unternehmen mit Abgaben und Obergrenzen unter Druck, ein Energiemanagementprogramm durchzuführen [4]. Eine effiziente und nachhaltige Produktion setzt zwingend eine Transparenz über den Energieverbrauch voraus. Gerade kleine und mitt- Projekttitel Eco2cut Projekt-/ Forschungsträger AiF Förderkennzeichen 38ebg Projektpartner TU Wien; TU Chemnitz; Katholieke Universiteit Leuven; Sirris; Daubner Consulting Ansprechpartner Dipl.-Ing. Sebastian Kropp lere Unternehmen besitzen häufig nur eine unge- naue Kenntnis über ihren genauen Energieeinsatz. Gründe hierfür liegen vor allem in dem großen Messaufwand sowie der hohen Anzahl und dem Variantenreichtum der Energieverbraucher in einem Unternehmen. Im Rahmen des Projekts Eco2cut soll somit ein Gestaltungsmodell für das ganzheitliche Energiemanagement von KMU in der produ- zierenden Industrie entwickelt werden. Dieses dient als Analyseraster, um relevante Kennzahlen zur Herstellung der Transparenz über den Energieverbrauch zu identifizieren. Ein weiteres Projektziel ist die Validierung der Kennzahlen im Rahmen eines europäischen Benchmarks, mit dem der Aufbau einer Referenzdatenbank verknüpft ist. Ganzheitliches Energiemanagement (EM) als Ordnungsrahmen Ein ganzheitlicher Managementansatz zeich- net sich durch die Berücksichtigung von vier Gestaltungsbereichen aus: Strategy, Structure, Systems und Staff [5]. Im Rahmen dieses Projekts wurde diese Überlegung auf den Anwendungsbereich Energiemanagement über- tragen und vier Gestaltungsbereiche desselben festgelegt, die als Ordnungsschema für die verschie- denen Energiemanagementinstrumente dienen: Energiemanagementstrategie (Strategy) Auf der Gestaltungsebene „Strategie“ werden Erfolgspotenziale definiert, die durch ein ganzheit- liches Energiemanagement erreicht werden sollen. Des Weiteren findet die Steuerung und Kontrolle der operativen Prozesse statt, deren Ziel die Ausschöpfung der definierten Erfolgspotenziale ist. Energiemanagementorganisation (Structure) Unter der Gestaltungsebene Organisation wird die Festlegung einer bestimmten Aufbau- organisation als auch Ablauforganisation verstanden. Bei der Aufbauorganisation be- dar f es einer I ns titutionalisierung der Stelle „Energiemanager“. Aktuelle Forschungsvorhaben
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NzcyMw==