UdZ 2-2014
48 Unternehmen der Zukunft 2/2014 UdZ Industrieprojekte – Analysieren und optimieren optimieren kann. Durch internetbasierte Anbindung können Kontroll- und Prüfprozesse im Ersatzteilmanagement entkoppelt und somit günstiger gestaltet werden. Ein produktorien- tiertes Potenzial ist z. B. die Ferndiagnose von Werkzeugmaschinen beim Kunden. Einen schnellen Überblick über den Wertbeitrag der IT in allen Unternehmensbereichen bietet der Business-Performance-Index (BPI). Mit dem BPI können Unternehmen ihre Stärken und Schwächen hinsichtlich der IT-Unterstützung der Unternehmensprozesse analysieren und mit anderen Unternehmen vergleichen. Für die ausgewerteten Prozesse (z. B. Prozesse der Produktionssteuerung oder des Vertriebs) werden IT-Potenziale gemeinsam identifiziert und strategische Umsetzungsmaßnahmen definiert. Der BPI ist eine Online-Studie zur Standortbestimmung und zum Benchmarking mit anderen Unternehmen und wird vom Analystenhaus techconsult jährlich bei ca. 2000 Unternehmen durchgeführt. Das FIR begleitet den BPI als Kompetenzpartner von wissenschaftlicher Seite aus. Die Untersuchung zeigte drei Jahre in Folge, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen IT-Unterstützung und Unternehmenserfolg gibt [3]. Die Online- Befragung ist kostenfrei unter www.business- performance-index.de/fir zugänglich. Eine det aillier tere, unternehmensinter- ne Betrachtung des Wertbeitrags der IT- Unterstützung kann über eine strukturierte Aufnahme des Reifegrades der IT in den verschiedenen Prozessen des Unternehmens erfolgen. Mit dem IT-Nutzen-Benchmarking, das das FIR gemeinsam mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im VDMA -Arbeitskreis „Wertbeitrag der IT“ entwickelt hat, kann solch eine Analyse strukturiert erfolgen. Das Werkzeug konnte bereits erfolgreich bei den Industrieunter- nehmen des Arbeitskreises angewendet werden. Während der oben vorgestellte BPI vor allem einen schnellen Überblick über die gesamte IT ermöglicht, erlaubt das IT- Nutzen- Benchmarking eine sehr genaue Untersuchung des Status quo in einzelnen Unternehmensbereichen mit besonders hoher Relevanz für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und hoher IT-Durchdringung. Er- gebnis sind konkrete Einzelmaßnahmen zur Optimierung der IT in den Kernprozessen des Unternehmens. Nach erfolgter Bestandsaufnahme über den BPI oder das IT-Nutzen-Benchmarking folgt die Ableitung konkreter Maßnahmen zur Verbesserung. Dazu setzt das FIR die IT-Markt- Roadmap ein, die einen Entwicklungspfad für die IT zur Unterstützung der Unternehmensziele beschreibt. Die IT-Markt-Roadmap besteht aus drei Ebenen: Zunächst werden auf Ebene 1 die Marktentwicklungen, denen sich das Unter- nehmen gegenübersieht, erfasst. Auf Ebene 2 werden dann zu diesen Marktgegebenheiten Produkt- und Serviceideen formuliert, die das Unternehmen als Antwort auf den sich verän- dernden Marktbedarf formuliert. Auf dritter Ebene kommt dann die IT zum Tragen: Welche Entwicklungen sind in der unternehmensin- ternen IT notwendig, um das Produkt- und Serviceangebot in der gewünschten Weise zu unterstützen? Durch die gemeinsame Erarbeitung im Kreis von Geschäftsführung, Produktverantwortlichen und IT-Abteilung ist ferner die Möglichkeit gegeben, Impulse der IT für die Produkte und Services aufzunehmen. IT-Komplexität beherrschen Während die IT-Wertschöpfung auf strate- gisch-taktischer Ebene angesiedelt ist, wird die IT-Komplexität auf operativer Ebene be- trachtet. Um den Fachbereichen die nötige Reaktionsfähigkeit und Prozessunterstützung zur Begleitung strategischer Entwicklungen des Unternehmens bereitstellen zu können, ist es zentrale Aufgabe der IT, die interne IT- Komplexität zu beherrschen und zu managen. Zunächst ist es erforderlich, die bestehende IT transparent, nachvollziehbar und möglichst vollständig zu erfassen, zu beschreiben und zu verstehen. Das ist vor allem wichtig, da die Komplexität der IT-Landschaft gemeinsam mit der Notwendigkeit einer guten IT-Unterstützung der Prozesse immer weiter steigt [6]. Bei der Modellierung müssen die unterschiedlichen Stakeholder und Interessensgruppen berück- sichtigt werden, die von der Architektur be- dient werden. Doch in der Praxis verfügen nur wenige Unternehmen über eine Transparenz der eigenen IT-Architektur. Dabei kann eine kontinuierliche Modellierung aufwandsarm erfolgen; der generierte Nutzen in Projekten übersteigt den initialen Aufwand deutlich. Aus den Projekterfahrungen des FIR lässt sich eine wertvolle und fundierte Ausgangsbasis zum Architekturmodell in einem zweitägigen Workshop aufnehmen. Anschließend beherr- schen die Mitarbeiter aus der IT-Abteilung die Methodik ausreichend, um die Modellierung langfristig im operativen Geschäft zu verankern. Erst auf einer solchen Basis können aufkommende Trends und Technologien wie Industrie 4.0, Big Data, Bring Your Own Device und Co. belastbar bewertet werden. Jeder dieser Ansätze birgt Potenziale, bringt aber auch Herausforderungen und Risiken für die IT mit sich.
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