UdZPraxis 1-2017

14 UdZ Praxis Ein ständiges Aufrechterhalten dieser Datenflüsse ermöglicht also erst eine permanente Optimierung der Prozesse in der Supply-Chain. Günther Schuh, Direktor des FIR e. V. an der RWTH Aachen, bringt es auf den Punkt: „ Die Regelung eines Systems bedeutet dessen kontinuierliche, iterative Annäherung an einen Idealzustand. “ Und dieser Idealzustand ist die „lernende“, sich selbst optimierende Wertschöp- fungskette der Vision Industrie 4.0. Wie hat man sich die angestrebten Regelungsprozesse vorzustellen? Der erste dieser Schritte besteht in der Erfassung bzw. Messung von Daten mit- tels Sensoren. Diese Daten liefern einen Überblick über die Ist-Situation und bieten damit eine grobe Unterstützung der qualitativen Arbeitsplanung. Der zweite Schritt gehört der Analyse und Prognose auf der Basis der vorliegen- den Daten. Betriebsinterne Daten werden erfasst und in Modellen abgebildet, sodass erste quantitative Arbeitspläne möglich werden. Die eigentliche Regelungsphase beginnt, wenn die erfassten Informationen dazu genutzt werden, Stell- und Führungsgrößen zu beeinflussen und die Ar- beitspläne und Produktionsprozesse optimal an den Bedarf anzupassen. Dadurch entsteht eine ganz neue Qualität der Planung. Gegenwärtig haben viele Unternehmen den Industrie-3.0-Zustand realisiert: Sie ver- fügen über IT-Ressourcen und Konnektivität, was ihnen einen Blick auf das gibt, was aktuell passiert. Zusätzliche IT-Systeme für mehr Transparenz sorgen bereits für ei- nen wertvollen Schritt darüber hinaus: Statt nur zu sehen, was passiert, verschaffen diese Systeme Erkenntnisse darüber, warum es passiert. Als nächstes möchte ein Unternehmen auch auf kommende Ereignisse vorbereitet sein, etwa Auftragsspit- zen oder kurzfristige individuelle Veränderungen der Kundenanforderungen. Damit muss es über technologiegetriebene Prognosefähigkeiten verfügen. Am Ende der Entwicklungskette steht dann das adaptive agile Unternehmen, das selbstoptimie- rende Prozesse nutzt, um eine autonome Reaktionsfähigkeit zu erzielen. Die Prozesskette führt also von der Erfassung der Information über die daraus ge- wonnenen Einsichten zur Vorausschau und weiter zur Optimierung der Abläufe. Smart stattBig Data Um nun alle Prozesse und deren Aufgaben in komplexen Supply-Chains zu erfas- sen, werden Unmengen an Daten ermittelt und prozessiert. Würde man alle unge- filtert zur Prozessanpassung verwenden wollen, wären enorme Big-Data-Analysen notwendig, die meist die Fähigkeiten der Systeme, gezielt Daten zu analysieren, übersteigen. Smart statt Big Data ist somit erwünscht.

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