UdZPraxis 1-2017

40 UdZ Praxis Prinzip 1: Digitaler Schatten Für häufige regelmäßige Anpassungen am Produkt und im Produktionsprozess ist eine umfängliche und aktuelle Transparenz der verfügbaren technischen Assets und deren Zustand vonnöten. Je häufiger Anpassungen vorgenommen werden, desto höher wird tendenziell auch die Belastung dieser technischen Assets ausfallen. Die Instandhaltungsstrategie, verstanden als Mix, bezogen auf reaktive und präventive oder sogar prädiktive Tätigkeiten, muss wegen sich permanent verändernder Pro- duktionsparameter kontinuierlich geprüft, hinterfragt und optimiert werden. Letzteres kann nur erfolgreich gelingen, wenn die entsprechende Datenbasis und Transparenz bestehen. Hierbei spielt die Verfügbarkeit von Daten und Informationen als Grundlage zur Ableitung des aktuellen und prognostizierten Zustands einer Anlage ebenso eine Rolle wie die Transparenz über den gesamten Lebenszyklus, damit Lerneffekte erzielt werden können. Der digitale Schatten liefert dabei das hinrei- chend genaue digitale Abbild der realweltlichen Prozesse und Anlagen. Prinzip 2: Minimum-Viable-Services Kurze Produktinnovationszyklen und hochfrequente Anpassungen in der Produktion bedeuten notwendige kürzere Zyklen in der Instandhaltung für die Entwicklung und Implementierung technologischer Innovationen. Gleichzeitig existiert auf Basis digitaler Technologien eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der Instandhaltung. Neben Verfahren aus dem Bereich der Predictive Maintenance sind hier ebenso Assistenzsysteme, z. B. auf Basis von Augmented Reality, oder die Schaf- fung einer durchgängigen Datenbasis zu nennen. Vor dem Hintergrund dieser großen Bandbreite an Möglichkeiten gilt es, den Mehrwert neuer Technologien möglichst schnell im realen Anwendungsfall zu validieren. Das Konzept der Minimum-Viable-Services sieht vor, sich zunächst auf wenige oder genau eine Kernfunktionalität zu kon- zentrieren. Wichtigste Zielvorgabe ist die Umsetzungsgeschwindigkeit, um möglichst früh aus dem Praxiseinsatz lernen zu können. Dabei wird zunächst bewusst auf ein vollumfängliches Funktionsspektrum verzichtet. Iteratives Vorgehen und das Lernen durch Ausprobieren sind wesentliche Bestandteile dieses Prinzips. Durch das Prinzip der Minimum-Viable-Services wird sichergestellt, dass zunächst die Funktionalitäten und Lösungen mit der potenziell größten Wirkung umgesetzt werden. Durch den Fokus auf der Umsetzungsgeschwindigkeit wird der Gefahr vorgebeugt, dass eine avisierte Lösung durch Verzug im Projekt und sich aufgrund zwischenzeitlich verändernder Rahmenbedingungen nicht mehr zeitgemäß ist. Prinzip 3: Verfügbare Standards Die meisten produzierenden Unternehmen stehen vor der Herausforderung, den digitalen Wandel auf Basis der bestehenden Maschinen und Systeme durchführen zu müssen. Diese Problematik wird häufig schlicht unter den Begriffen „Brownfield“ (für bestehende Maschinen- und Anlagenparks) oder „Legacy“ (für eine bestehende Software-Landschaft) zusammengefasst. Um dennoch eine hohe Wandlungs- und Umsetzungsgeschwindigkeit realisieren zu können, ist es sinnvoll, auf bewährte Stan- dardlösungen zu setzen, deren Integration keine aufwendigen Neuentwicklungen oder Anpassungen an Hard- und Software bestehender Systeme erfordert. Im Bereich des Internets der Dinge (auch bekannt als Internet of Things, IoT) bieten cloudba- sierte Plattformen wie PTC Thingworx in Verbindung mit der Middleware Kepware beispielsweise ein umfassendes Lösungs- spektrum im Bereich der Konnektivität über die Kommunikation zwischen vielen IoT-Protokollen bis zur Applikationsentwick- lung. Die Forderung nach einheitlichen übergreifenden Standards wird durch diese Lösungen obsolet. Prinzip 4: Kultur Das Muster, das dem hier vorgestellten Return on Maintenance zugrunde liegt, ist nicht zuletzt eng mit einem kulturellen Wan- del in produzierenden Unternehmen verbunden. Für das gesamte Unternehmen bedeutet dieser Wandel eine Transformation zu einer offenen und freien Wissens- und Innovationskultur. Eine solche Kultur zeichnet sich dadurch aus, dass Fähigkeiten

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