UdZForschung 1-2018
29 UdZ – Unternehmen der Zukunft 1/2018 FIR-Forschungsprojekte sogenannte Peoplemover. Während Peoplemover bereits in einigen deutschen Städten getestet werden, existieren aktu- ell noch keine umfassenden Konzepte für eine wirtschaftliche sowie kundenzen- trierte Nutzung. Hier liegt der Mehrwert des Projekts UrbanMove. Das Projekt UrbanMove soll mithilfe von Peoplemovern Grundlagen schaffen, um die Emissionen deutlich zu senken und trotzdem keine Einschränkung in der Mobilität zu bewirken. Daneben wird die entwickelte Lösung einen einfachen, individuellen Transport von Personen in der Stadt schaffen. Durch die Möglichkeit, dass Peoplemover zwischen zwei variablen Punkten im Stadtgebiet Kunden ohne feste Route direkt zu deren Ziel bringen können, kann hier ein hoher Nutzen erzielt wer- den. Gerade im Kontext der alternden Gesellschaft in Deutschland sind solche Lösungen von immenser Bedeutung, um älteren Menschen, die über kein eigenes Fahrzeug (mehr) verfügen, trotzdem dieselbe Mobilität, auch bei schlech- ten Witterungsverhältnissen, bieten zu können. Ein solches Mobilit ät sver sprechen ist nur durch die Entwicklung eines Gesamtkonzepts für Mobilitätsdienst- leistungen in der Stadt zusammen mit deren verschiedenen Stakeholder n (Firmen, Händler, aber auch gesetz- liche Anforderungen) möglich. Jeder Partner deckt hierbei einen Bereich des Gesamtkonzepts ab (s. Bild 1, S. 30). Für die Bereitstellung der autonomen Peop l emove r i s t d i e e .GO Mob i l e AG verantwortlich. Entscheidend ist, dass die Peoplemover untereinander und mit den Nutzern über eine digi- tale Mobilitätsplattform intelligent ver- netzt werden. Die Entwicklung dieser Komponente übernimmt fleetbutler in diesemProjekt. Dabei wird berücksichtigt, dass die Dienstleistungsplattform in Verbindung mit dem Peoplemover wäh- rend des Forschungsprojekts weiterent- wickelt und optimal an das Nutzerumfeld angepasst wird. Hierzu werden kontinu- ierlich Studien zum Nutzerverhalten vom Verbundpartner Dialego durchgeführt. Dies ist entscheidend, um Ängste und Unklarheiten bezüglich der Technologie eines autonomen elektrischen Fahr- zeugs aufzunehmen, ein ausgezeichnetes Nutzungserlebnis zu kreieren und dies zu- sammen imProjekt zu adressieren. Mit der Stadt Aachenwurde zudemein Partner ge- wonnen, der die Anbindung der Plattform innerhalb der städtischen Infrastruktur ermöglicht und die Bürgerinnen und Bürger einbezieht. Das FIR an der RWTH Aachen bringt speziell seine Kompetenz im Bereich der Geschäftsmodellentwicklung, des Business-Ecosystem-Designs und des Informationsmanagements ein. AufBasiseinerausführlichenUntersuchung bereits bestehender (Service-)Plattformen und Mobilitätskonzepte werden de- ren dahinterliegende Geschäftsmodelle und Business-Ecosystems analysiert und mögliche Modelle für das Forschungsvor- haben identifiziert und innoviert. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass eine an das Forschungsprojekt ange- knüpfte Unternehmensneugründung erfolgreich gelingt, müssen folgende Anforderungen erfüllt werden: klare Marktvor teile im Sinne eines neuar- tigen, zusätzlichen Kundennutzens, at- traktive Margen, Schutz vor Imitatoren und größeren Wettbewerbern sowie möglichst geringe Investitionskosten [3]. Neben diesen Anforderungen bietet die Möglichkeit, ein vollkommen neues Geschäftsmodell zu entwickeln, auch einen entscheidenden Vorteil. Alle Annahmen zur Geschäftsmodellentwicklung kön- nen zunächst auf dem Markt auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Im Anschluss können die Annahmen korrigiert und das Geschäftsmodell an die richtigen Annahmen angepasst werden [4]. Aus diesem Grund ist es ein Teilziel, neue digi- tale, kundenzentrierte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Aufgrund der Komplexität des Kundenbedürfnisses wird zusätz- lich das zur Realisierung notwendige Business-Ecosystem analysier t und evaluiert. In einem solchen Business- Ecos ystem kooper ieren br anchen - übergreifend Unternehmen, entwickeln Fähigkeiten und schaffen i. d. R. erschwert imitierbaren Kundennutzen [5]. Dabei nehmen Unternehmen divergente Rollen ein [6, 7]. Diese werden anhand von Praxisbeispielen untersucht und mithilfe derer Erfolgsmerkmale und Defizite sowie der identifizierten Kundenbedürfnisse ein zukünftigesMobilitätskonzept abgeleitet. Zur Erfüllung dieser Kundenwünsche sind zudem Daten eine zentrale Quelle, die es richtig auszuwerten und zu verwenden gilt. Erst durch den richtigen Austausch von Daten und Informationen können Güter, in diesem Fall die Peoplemover, in der richtigen Zeit zum richtigen Ort in der richtigen Qualität und zum richtigen Preis bereitgestellt werden. Somit ist für die Konzeptionierung und Entwicklung der Plattform eine Modellierung der Daten- und Informationsflüsse not- wendig [8]. Das FIR nutzt seine Kern- kompetenzen neben der Entwicklung von Geschäftsmodellen für die Konzeption eines Informationslogistikkonzepts, des Datenmodells und der Datenarchitektur. Das Informationslogistikkonzept wird so entwickelt, dass es auf die konkreten Bedürfnisse abgestimmt ist und eine Erweiterbarkeit der Plattform für die Anbindung von Partnern und weiteren Dienstleistungen zulässt. Ein optimiertes Informationslogistikkonzept sowie eine strukturierte Datenarchitektur ermögli- chen es, Wissen aus den ge-sammelten Daten abzuleiten und für die Verbesserung und Erweiterung der Services zu nut- zen. Die Plattform soll über verschie- dene Nutzerendgeräte erreichbar sein und das Informationslogistikkonzept muss dies entsprechend berücksichtigen. Des Weiteren soll innerhalb des For- schungsprojekts betrachtet werden, wie die erfassten Daten (Infrastruktur-, Sensor- und Kundendaten) sinnvoll für eine Verbesserung desMobilitätsangebots genutzt werden können. An f ang d ieses Jah res is t das For- schungsprojekt UrbanMove erfolgreich und mit viel Engagement aller beteiligten Par tner gestar tet. Dieses soll einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die deutsche Wirtschaft und die Nutzer des ÖPNV die Digitalisierung als Chance begreifen. Das Pilotprojekt und das Anwendungsszenario erlauben es, die Verknüpfung eines digitalen Service und
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