UdZForschung 1-2018
26 UdZ – Unternehmen der Zukunft 1/2018 FIR-Forschungsprojekte Nutzenwer te beinhaltet die größte Problematik des gesamten Kosten- Nutzen-Modells, da jene von vielen äu- ßeren Einflüssen abhängt [2]. Nutzenaspekte bislang nur unzureichend berücksichtigt Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Bewertung des Nutzens der addi- tiven Fertigung. In der Literatur be- finden sich viele qualitative Aussagen über die Nutzenpotenziale der addi- tiven Fertigung. Außerdem wurden im Rahmen von Fallstudien jeweils einzelne Erfolgsbeispiele realisiert und bewer- tet. Es mangelt jedoch an einer klaren Struktur, um diese im Einzelnen bewer- ten zu können. Betrachten Sie dazu ein- mal das folgende Negativbeispiel einer Auflistung vonMehrwerten der additiven Fertigung: keine Werkzeuge notwendig, hohe Flexibilität für Designänderungen, Möglichkeit zur wirtschaftlichen Pro- duktion kleiner Losgrößen sowie die Möglichkeit, kundenindividuelle Pro- dukte zu fertigen [6]. Die Nennung aller Merkmale ist zwar gerechtfertigt, jedoch bedingen diese sich gegenseitig. So wird beispielsweise die Herstellung kunden- individueller Produkte erst dadurch begünstigt, dass ein teures Werkzeug ob- solet wird und somit kleinere Losgrößen wir tschaftlicher hergestellt werden können. Durch diese Abhängigkeiten und Wechselwirkungen ist es nicht sinnvoll, eine Nutzenbewertung anhand einer solchen Auflistung durchzuführen. Strukturierte Nutzenanalyse als Enabler für den 3D-Druck Als Lösungsansatz zur Strukturierung d e r Me h r w e r t e w u r d e n s ä m t - liche Vorteile und Potenziale aus der Literatur zunächst unterschieden in All- einstellungsmerkmale und resultierende Mehrwerte. Weiter wurde unterschieden, ob der Mehrwert für das Produkt bzw. den Kundenoder für dasUnternehmenentsteht (s. Bild 2, S. 35). Mit Bezug zum vorherigen Beispiel ist also die die Werkzeuglosigkeit bzw. eine Kos tene f f izienz k leiner Losgrößen (werkzeuglose Fer tigung & Effizienz kleiner Losgrößen) als ein Alleinstellungsmerkmal der additiven Fertigunganzusehen,welches dasAnbieten kundenindividueller Produkte erleichtert (verbesserte Produktindividualisierung). Die resultierenden Mehrwerte werden weiter ausdetailliert, indem logische Konsequenzen und Kennzahlen von den Alleinstellungsmerkmalen abgelei- tet werden. Durch diese Strukturierung werden sämtliche Potenziale durch den Anwender selbst aufgedeckt. Eine spä- tere Nutzwertanalyse wird so nicht nur vereinfacht, sondern es werden auch Inspirationen für zahlreiche Produkt- und Prozessverbesserungen geliefert. Dies ermöglicht den Unternehmen, die beste- henden Erfolgsbeispiele zu verstehen und Maßnahmen für die eigene Produktion abzuleiten. Beispielhaft sind die Wirkungsketten für die verbesserte Produktindividualisierung durch die additive Fertigung dargestellt (s. Bild 3). Das Attribut der werkzeuglosen Fertigung hat zunächst zur Konsequenz, dass kleine Losgrößen wirtschaftlich ge- fertigt werden können. Aus der direkten Fertigung einer CAD-Datei folgt hingegen eineMöglichkeit, Produkteschnell anpassen zu können. Erst aus der Kombination dieser beiden Konsequenzen geht hervor, dass die Produktindividualisierung gesteigert werden kann, ohne dass ein wesentlicher Mehraufwand entsteht. Die gesteigerte Produktindividualisierung verbessert den Bild 3: Verbesserte Produktindividualisierung durch additive Fertigung im Detail
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