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1969
Dr. Alfred Borges wird zum wissenschaftlichen Geschäftsführer und stellvertre-
tenden Institutsdirektor am FIR bestellt. Er leitet das Institut bis zum Jahr 1992. Nachdem
1969 die Forschungsinhalte in zwei Bereiche aufgeteilt wurden, entwickelten sich die
Aufgabenstellungen in den 1970er Jahren vielfältig weiter. Im Bereich Fertigungsplanung
und -steuerung beziehungsweise „Terminplanung“ erzielte das FIR zum Beispiel Ergebnisse
mit Simulationsmodellen, mit der Erschließung von Behindertenarbeitsplätzen in der EDV,
mit dem anwendungsgerechten Aufbau von Datenbanken, mit der Informationsdarstellung
in Netzplanform und mit der Integration von Lagerdisposition und Kapazitätsterminierung.
In den Bereich „Zeitplanung“ fielen beispielsweise rechnergestützte Planungsverfahren
und Kalkulation, Reorganisation von Fertigungsstätten und Effektivitätssteigerung von
Instandsetzungsbetrieben. Der Bereich der „Personalplanung“ beschäftigte sich mit
der quantitativen Bestimmung des Automationsgrads, mit automatisierungsgradad-
äquaten Entlohnungsformen, Planzeitwerten, Prozesszeiten und Grundlagen von
Personalinformationssystemen.
1974
Da Rationalisierung stets nur als Mittel und nie als Ziel angesehen wurde,
wird im November 1974 dieser zentrale Begriff neu überdacht und wie folgt definiert:
„Rationalisierung heißt, das Verhältnis zwischen erreichtem Resultat und aufgewendeter
Leistungen durch ‚vernünftige‘ Maßnahmen zu verbessern.“ Dieser Begriff hatte jedoch in
der Zwischenzeit durch die steigende Automatisierung und den vielerorts damit verbun-
denen Stellenabbau eine wachsende negative Konnotation erfahren, obwohl schon seit
Beginn seiner Verwendung auch humanitäre und soziale Aspekte der Rationalisierung
in der Arbeitswelt Berücksichtigung fanden und unerwünschte Folgen wie wachsen-
de Arbeitslosigkeit vermieden werden sollten. Daher wird nun die Zielsetzung von
Rationalisierung dahingehend konkretisiert, dass durch die „vernünftige“ Handlungsweise
im Zusammenhang mit Rationalisierung die ständig steigenden Bedürfnisse der Menschen
zu befriedigen seien. Neben der Erhöhung der Wirtschaftlichkeit sollen insbesondere
die Arbeitsbedingungen verbessert und die Arbeitsplätze gesichert werden. Der Bereich
„Zeitplanung“, eine Abteilung des FIR, wird 1974 in „Arbeitsorganisation“ umbenannt, wo-
bei weiterhin Themen wie Methoden zur Fertigungsorganisation, Warenverteilungssysteme
sowie computergestützte Dispositionssysteme und Durchlaufzeitanalysen im Vordergrund
stehen. 1979 trägt das Institut dann der technisch-organisatorischen Entwicklung Rechnung,
indem die „Termin- und Zeitplanung“ differenziert nach den Bereichen „Produktionsplanung
und -steuerung“ und „Organisationsanalyse und -planung“ betrachtet wird. Gegenstände
dieser Betrachtung sind rechnergestützte Systeme zur Betriebsdatenerfassung,
Betriebssimulationsmodelle, Analyse- und Beurteilungsinstrumentarien in der Fertigung
und in Warenverteilung und Lagersystemen sowie der Mensch-Maschine-Dialog und die
computergesteuerte Maschinenorganisation.
1977
Mit Professor Hacksteins „Arbeitswissenschaft im Umriss“ erscheint 1977 ein
Buch, das als umfassende Darstellung der Arbeitswissenschaft in ihren Gegenstandsbereichen
und deren gegenseitigen Bezügen gilt. Den Vorsitz des Präsidiums übernimmt 1977 E. A. Delius
nach dem Tode des Gründungsvorsitzenden Dr.-Ing. e. h. Dipl.-Ing. H. Stussig.
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